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Frage:

Welche steuerlichen Aspekte sind bei Stiftungen zu beachten? [32001]

Antwort:

Sowohl Stifter als auch Stiftungen können erst dann Steuervorteile in Anspruch nehmen, wenn das Finanzamt der Stiftung die Gemeinnützigkeit bescheinigt hat.
Ab diesem Datum kann die Stiftung an Zustifter und Spender Zuwendungsbestätigungen ausstellen, die sich steuermindernd auswirken.

1. Steuerpflicht für Stiftungen
Stiftungen, die ihren Sitz und die Geschäftsleitung im Inland haben, sind grundsätzlich zur Zahlung von Körperschaftsteuern verpflichtet.

Zusätzlich unterliegen Familienstiftungen in Zeitabständen von je 30 Jahren der Erbersatzsteuer.

Eine Stiftung hat die Möglichkeit, erhebliche steuerliche Vergünstigungen zu beanspruchen, wenn sie nach ihrer Satzung und tatsächlichen Geschäftsführung ausschließlich und unmittelbar steuerbegünstigte Zwecke verfolgt.

2. Steuervorteile für Stiftungen
Steuervergünstigungen gelten nicht für wirtschaftliche Geschäftsbetriebe, die eine Stiftung unterhält. Ausnahme: Der wirtschaftliche Geschäftsbetrieb dient als so genannter Zweckbetrieb in seiner Gesamtrichtung dazu, die steuerbegünstigten satzungsmäßigen Zwecke der Stiftung zu verwirklichen.

Um steuerliche Vergünstigungen zu erlangen, muss in der Stiftungssatzung bestimmt sein,

  • dass die Stiftung ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige, mildtätige oder kirchliche Zwecke verfolgt,
  • welche Zwecke die Stiftung im Einzelnen verfolgt,
  • in welcher Weise die Satzungszwecke hauptsächlich verwirklicht werden (z.B. Durchführung wissenschaftlicher Veranstaltungen oder Unterhaltung eines Altenheimes),
  • dass die Stiftung selbstlos tätig ist und nicht in erster Linie eigenwirtschaftliche Zwecke verfolgt,
  • dass Mittel der Stiftung nur für die satzungsmäßigen Zwecke verwendet werden dürfen,
  • dass keine Person durch Ausgaben, die dem Zweck der Stiftung fremd sind, oder durch unverhältnismäßig hohe Vergütungen begünstigt werden darf und
  • dass bei Aufhebung oder Auflösung der Stiftung das Vermögen nur für steuerbegünstigte Zwecke verwendet werden darf.

Eine Stiftung gilt auch dann als gemeinnützig, wenn sie einen bestimmten Teil ihres Einkommens dafür verwendet, den Stifter und seine nächsten Angehörigen in angemessener Weise zu unterhalten, ihre Gräber zu pflegen und ihr Andenken zu ehren.

Wurde einer Stiftung die Gemeinnützigkeit bescheinigt, so genießt sie

  • Steuerfreiheit bei der Körperschaft- und Gewerbesteuer,
  • Besteuerung der Umsätze mit dem ermäßigten Steuersatz bei der Umsatzsteuer (wenn nicht eine gesetzliche Befreiung vorliegt),
  • Befreiung von Grundsteuer, Schenkungsteuer und Erbschaftsteuer unter bestimmten Voraussetzungen,
  • Empfang steuerbegünstigter Spenden.

Tipp: Weitere Informationen zur steuerlichen Behandlung von Stiftungen finden Sie auch in der Broschüre des Finanzministeriums Baden-Württemberg "Steuertipps für gemeinnützige Vereine". Die Broschüre kann auf den Internetseiten des Finanzministeriums Baden-Württemberg aufgerufen und heruntergeladen werden.

3. Steuervorteile für Stifter, Zustifter und Spender
Zuwendungen an gemeinnützige Stiftungen werden durch Steuervorteile für Stifter oder Spender begünstigt. Dabei unterscheidet man zwischen

  • Spenden (Zuwendungen), die zur direkten Verwendung für die gemeinnützigen Zwecke bestimmt sind, und
  • Zustiftungen, die zur Aufstockung des Stiftungsvermögens dienen, damit dieses langfristig höhere Erträge liefert.

Diese Zuwendungen können unter bestimmten Voraussetzungen vom steuerpflichtigen Einkommen abgesetzt werden und dadurch die gesamte Steuerlast reduzieren:

  • Sowohl Spenden als auch die Erstausstattung einer Stiftung oder spätere Zustiftungen können vom zu versteuernden Einkommen des Spenders bis zu einem Höchstbetrag von zwanzig Prozent seiner jährlichen Einkünfte abgezogen werden und dadurch den zu versteuernden Betrag verringern.
  • Zusätzlich abzugsfähig sind Zuwendungen bis zu 1.000.000 Euro, die  in den Vermögensstock der Stiftung (also Erstausstattung und Zustiftungen) geleistet werden.
  • Soweit ererbtes oder geschenktes Vermögen innerhalb von 24 Monaten einer steuerbegünstigten Stiftung zugewendet wird, werden die Erben oder Beschenkten rückwirkend von der Erbschaft- beziehungsweise Schenkungsteuer befreit.

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