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Datum: 18.03.2005

Neue Rentenbesteuerung ab 2005

Kurzbeschreibung: Mit den Neuregelungen folgte der Gesetzgeber einem Auftrag des Bundesverfassungsgerichts. Danach sind Beamtenpensionen und Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung steuerlich gleich zu behandeln

Viele Rentnerinnen und Rentner fragen sich derzeit: „Muss ich für das Jahr 2005 eine Einkommensteuererklärung abgeben?“ Hintergrund ist, dass der Gesetzgeber mit dem Alterseinkünftegesetz ab dem Jahr 2005 ein neues System der Rentenbesteuerung eingeführt hat. „Ob ein Rentner im Jahr 2005 eine Einkommensteuererklärung abgeben muss, hängt von der Höhe seiner Einkünfte ab“, teilte die Oberfinanzdirektion Karlsruhe mit.
Mit den Neuregelungen folgte der Gesetzgeber einem Auftrag des Bundesverfassungsgerichts. Danach sind Beamtenpensionen und Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung steuerlich gleich zu behandeln. Während Beamte schon bisher ihre Pensionen voll versteuert haben, wurden Renten bislang nur in Höhe des  Ertragsanteils (durchschnittlich ca. 25 Prozent) der Besteuerung unterworfen. Dieser Unterschied in der Besteuerung wird durch das Alterseinkünftegesetz beseitigt. „Für die Mehrheit der heutigen Rentnerinnen und Rentner“, so die Oberfinanzdirektion, „wird sich durch die Neuregelung nichts ändern“. Sie werden auch weiterhin keine Einkommensteuer zahlen müssen.

Gesetzliche Renten

Im Jahr 2005 sind Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung (z.B. von der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte oder der Landesversicherungsanstalt) mit 50 Prozent anzusetzen. Damit sind 50 Prozent der Brutto-Rentenbezüge (d.h. vor Abzug von Krankenversicherungs- und Pflegeversicherungsbeiträgen) zu versteuern. Die andere Hälfte bleibt steuerfrei. „Werden im Jahr 2005 ausschließlich gesetzliche Renten vereinnahmt, fällt erst bei Renten von rund 1.574 Euro im Monat Einkommensteuer an“, so die Oberfinanzdirektion Karlsruhe.

Andere Einkünfte

Anders sieht es jedoch aus, wenn neben der gesetzlichen Rente weitere Einkünfte (z.B. Versorgungsbezüge, Zinseinnahmen, Mieteinnahmen) erzielt wurden.
„Hier kann sich für das Jahr 2005 eine Einkommensteuerschuld ergeben, auch wenn die gesetzliche Rente niedrig ist, aber zusammen mit den anderen Einkünften der Grundfreibetrag in Höhe von 7.664 Euro bzw. bei Ehegatten 15.328 Euro überschritten wird“, so die Oberfinanzdirektion Karlsruhe. Hierzu muss man wissen, dass die übrigen Einkünfte grundsätzlich in voller Höhe der Einkommensteuer unterliegen.

Beispiel

Die ledige Rentnerin Lisa P. (73 Jahre alt) erhält von der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte eine gesetzliche Altersrente. Der Brutto-Rentenbetrag beträgt monatlich 1.100 Euro. An Vorsorgeaufwendungen entstehen ihr monatlich 150 Euro. Daneben hat sie noch Zinseinnahmen in Höhe von jährlich 6.000 Euro.
Hat sie für das Jahr 2005 Einkommensteuer zu zahlen? Nein, Lisa P. hat für 2005 keine Einkommensteuer zu zahlen. Die Berechnung sieht wie folgt aus:

Zinseinkünfte 6.000 Euro ./. Freibeträge 1.421 Euro 4.579 Euro
+  Gesetzliche Altersrente 1.100 Euro x 12 x 50 Prozent =
    6.600 Euro ./. Pauschbetrag 102 Euro
6.498 Euro
./. Altersentlastungsbetrag
    (4.579 Euro x 40 Prozent, max. 1.900 Euro)
1.832 Euro
./. Vorsorgeaufwendungen 150 Euro x 12 = 1.800 Euro,
    voll abzugsfähig wegen Günstigerprüfung
1.800 Euro
./. Sonderausgaben-Pauschbetrag 36 Euro
=  zu versteuerndes Einkommen 7.409 Euro
Grundfreibetrag 2005 7.664 Euro
Einkommensteuer 0 Euro




Was kann steuerlich abgesetzt werden?

Bei der Berechnung der Einkommensteuer wirken sich verschiedene Frei- und Pauschbeträge aus, die von den Einnahmen abgezogen werden. Zins- oder Dividendeneinnahmen sind nur steuerpflichtig, soweit die Freibeträge von insgesamt 1.421 Euro bzw. 2.842 Euro bei Ehegatten überschritten werden. „Bei Dividendeneinnahmen“, so die Oberfinanzdirektion Karlsruhe, „besteht die Besonderheit, dass sie lediglich zur Hälfte in die Bemessungsgrundlage für die Einkommensteuer einbezogen werden“. Abzugsfähig sind Versicherungsbeiträge (z.B. Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge). Im Einzelfall kann
auch ein Teil der Krankheitskosten als außergewöhnliche Belastungen abzugsfähig sein. Bei einem Grad der Behinderung von mindestens 25 Prozent wird ein Pauschbetrag für die Behinderung in Höhe von 310 Euro ohne gesonderten Nachweis steuerlich berücksichtigt. „Beträgt der Grad der Behinderung mindestens 95 erhöht sich der Behindertenpauschbetrag auf 1.420 Euro“, wies die Oberfinanzdirektion Karlsruhe hin.

Was ist im Zweifelsfall zu tun?

Abschließend rät die Oberfinanzdirektion Karlsruhe allen Rentnerinnen und Rentnern, die aufgrund der Höhe ihrer Einkünfte an die Grenze des Grundfreibetrags herankommen: „Wenden Sie sich im Zweifelsfall an das zuständige Wohnsitz-Finanzamt. Dort wird dann geprüft, ob Sie für das Jahr 2005 eine Einkommensteuererklärung abgeben müssen“.

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